Angst

Der Angst begegnen

Mag. Christiane Maier-Plos · Instahelp Online-Magazin · 2017

Tür mit Licht dahinter – Symbol für Mut und das Öffnen gegenüber der Angst
Foto: Dima Pechurin / Unsplash

Angst ist unangenehm. Der natürlichste Impuls ist daher: ausweichen, vermeiden, auf Abstand gehen. Doch genau diese Reaktion ist es, die Angst langfristig am Leben hält – und oft sogar größer macht.

Wie Vermeidung die Angst verstärkt

Wenn wir eine Situation meiden, die uns Angst bereitet, fühlen wir uns augenblicklich erleichtert. Diese Erleichterung ist real – und sie wirkt wie eine Belohnung. Das Gehirn lernt: „Wenn ich ausweiche, bin ich sicher." Gleichzeitig lernt es: „Die Situation ist wirklich gefährlich."

So entsteht ein Muster, das sich selbst verstärkt: Die gemiedene Situation wird in unserer Vorstellung immer bedrohlicher, und der Radius der Dinge, die wir noch tun können, wird immer enger.

Habituation – was Begegnung bewirkt

Unser Nervensystem hat eine wichtige Eigenschaft: Es gewöhnt sich. Wenn wir in einer angstauslösenden Situation bleiben – ohne zu fliehen – bemerken wir, dass die Angst von selbst nachlässt. Dieser Prozess wird Habituation genannt.

Das Gehirn macht eine neue Erfahrung: „Ich habe ausgehalten. Es ist nichts Schlimmes passiert. Ich kann das." Diese Erfahrung ist mächtiger als jede Überzeugungsarbeit im Kopf.

Schrittweise Konfrontation

Der Gedanke, sich der Angst direkt zu stellen, kann selbst wieder Angst auslösen. Deshalb arbeitet die Verhaltenstherapie mit einer Angsthierarchie: Situationen werden nach Schwierigkeitsgrad geordnet, und man beginnt mit den leichteren.

Man beginnt bei Stufe 1, bleibt so lange in der Situation, bis die Angst deutlich nachlässt, und arbeitet sich schrittweise vor. Mit jeder gemeisterten Stufe wächst das Vertrauen in die eigene Stärke.

Mut ist nicht das Fehlen von Angst

Mutig zu sein bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet, sich trotz der Angst zu bewegen. Wer sich der Angst stellt, sendet seinem Gehirn die wichtigste Botschaft: „Ich lasse mich von dir nicht aufhalten."

Dieser erste Schritt ist oft der schwerste – und der wirkungsvollste.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychotherapeutische Beratung.

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